Bitcoin Gigant Bitcoin.de gibt der Polizei ohne richterlichen Beschluss Nutzerdaten heraus.

02.08.2017

Laut Rechercheberichten von Motherboard gab die größte deutsche Bitcoin-Handelsplattform, Bitcoin.de, in mindestens acht bestätigten Fällen Nutzerdaten an die Polizei heraus - ohne gerichtlichen Beschluss.

Ohne Staatsanwaltschaft & ohne richterlichen Beschluss

Bitcoin wird in manchen Kreisen immer noch fälschlicherweise als anonym bezeichnet. Vor einigen Jahren, dachte man auch noch dies entspreche der Realität, doch während Data Scientists die Blockchain nach Daten durchforstet haben, fiel letztendlich auf, dass man allein durch die Verknüpfung von Adressen auf mögliche Verbindungen schließen konnte. Besonders an Schnittpunkten mit traditionellen Systemen wie Online-Börsen wird die vermeintliche Anonymität brüchig - was bleibt, ist eine halbwegs (un-)sichere Pseudonymität.

Nach Gerichtsakten von Motherboard ermittelte die Polizei im Falle im Bezug auf Kunden des illegalen Drogen-Onlineshops Chemical Love. Dort sollte mit Bitcoin bezahlt werden, wodurch die Polizei eine Rückwärtssuche einleitete.

Daraufhin gab es Anfragen seitens der Polizei gegenüber der deutsche Plattform Bitcoin.de - welche schnell beantwortet worden sein sollen. Laut den Berichten soll ein Telefonat ausgereicht haben, um die Plattform davon zu überzeugen, die notwendigen Daten für den Fall herauszugeben, obwohl rein rechtlich kein Zwang dazu bestehe die Daten der Polizeistelle zu übermitteln, so der Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar gegenüber Motherboard.

"Berechtigtes Interesse"

Als Erklärung für das drastische Vorauseilen von Bitcoin.de sei die "vertrauensvolle Zusammenarbeit mit verschiedenen Behörden" zu nennen, so der Unternehmenssprecher.

Zwar läge in allen Fällen nach eigenen Aussagen immer ein "berechtigtes Interesse" vor, doch dass erklärt folgenden Sachverhalt nicht: Die Polizei fragte wegen einer bestimmten Bitcoin-Adresse bei Bitcoin.de nach, die sich nach Aussagen bei Bitcoin.de registriert haben soll. Die Plattform recherchierte selber, so Motherboard, und gab für die Adresse Klarnamen, Nickname, Wohnort, E-Mail, Telefonnummer, Bestellmenge, Bankverbindung, Kontobewegung, Login-Historie und IP-Adressen heraus. Doch nicht nur für diese eine Adresse, nein, ebenfalls für sieben weitere.

Auf Wiedersehn Datenschutz

Viele Nutzer berichten davon, dass ihr Vertrauen zu Bitcoin.de durch diese Geschichte gebrochen sei. Verständlich sei aber dennoch, dass eine Zusammenarbeit mit den Behörden für einen funktionierenden Rechtsstaat unerlässlich ist.

Als Alternative für zentrale Bitcoin-Börsen bieten sich dezentrale Börsen wie beispielsweise Cryptopia an. Dort werden keinerlei Nutzerdaten gespeichert.


Der Originalartikel ist auf Motherboard einsehbar.