Deutsche Bank-Whitepaper lobt Blockchain-Potential und benennt Regulierungsbedarf

06.11.2018

Die Deutsche Bank hat ein Whitepaper zum aktuellen Stand der Regulierung von Blockchain- und anderen Schlüsseltechnologien in verschiedenen Ländern veröffentlicht.

In der Publikation "Regulation driving banking transformation" geht das Institut auf insgesamt 44 Seiten neben Blockchain auch auf die für den Finanzsektor wichtigen Technologien Open Banking / Open APIs, Cloud und Künstliche Intelligenz ein.

Bevor die Autoren sich dem Thema Regulierung widmen, fassen sie zunächst die Vorteile der Blockchain-Technologie zusammen und lassen keinen Zweifel daran, dass sie dieser ein großes Potential einräumen. Im Whitepaper heißt es dazu:

"Machen Sie keinen Hehl daraus: Blockchain ist disruptiv. Dies kann jedoch zu schnellerem End-to-End-Processing, verbesserter Transparenz, verbesserter Bewertung operativer und finanzieller Risiken und Kostensenkungen führen. Einige eindrucksvolle Schätzungen gehen davon aus, dass diese Reduktion der Infrastrukturkosten für Banken <...> bis 2022 auf 15-20 Milliarden US-Dollar pro Jahr anwachsen wird."

Laut der Bank besteht bereits ein breiter Konsens darüber, dass Verwahrungs- und Clearing-Dienste im Finanzsektor durch Blockchain-Technologie revolutioniert werden könnten. Auch im Bereich Trade Finance sieht die Deutsche Bank einen Haupt-Einsatzbereich. Die Abschaffung von Papier für die Abwicklung von Handelsfinanzierungen könnte die Bearbeitungszeit um zwei Stunden pro Transaktion verkürzen und die Compliance-Kosten um 30% senken, so das Institut.

Auf dem langen Weg bis zu einer breiten Implementierung sehen die Autoren aber auch die bestehenden Risiken. 90 Prozent aller Blockchain-Projekte werden scheitern und viele beschriebene Anwendungsfälle seien aktuell rein hypothetisch, so das Institut.

Was die globale Regulierung betrifft, sehen die Autoren einen hohen Grad an Fragmentierung, was einen grenzüberschreitenden Einsatz in vielen Bereichen erschwere oder unmöglich mache. In der EU stelle etwa die aktuelle Form der erst seit Mai 2018 geltenden Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ein Problem für die Datenverwaltung auf einer Blockchain dar. Es werden aber auch Lösungsansätze genannt.

Damit das Potential der Blockchain-Technologie maximal zum tragen kommen könne, sei aber eine Regulierung auf globaler Ebene nötig. Die Autoren schlagen dafür eine Initiative auf Ebene der G20vor.

Wie das Whitepaper verdeutlicht, wird die Blockchain-Technologie von Banken mittlerweile sehr ernst genommen. Negative Kommentare wie etwa von JPMorgan-CEO Jamie Dimon zu Bitcoinkönnen nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Finanzsektor bereits intensiv mit den Chancen und Risiken der neuen Technologie auseinandersetzt. Auch JPMorgan nutzt die Technologie bereits und hat mittlerweile 75 multinationale Banken auf einer eigenen Blockchain-Zahlungsplattform vereint.

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