Kryptobörse Bitfinex dementiert Insolvenz-Gerüchte

08.10.2018

Der große Kryptobörsenplatz Bitfinex hat auf eine Reihe von Online-Gerüchten reagiert und dementiert, dass das Unternehmen "insolvent" oder mit Bankproblemen konfrontiert sei. Das geht aus einem offiziellen Blog-Beitrag vom 7. Oktober hervor.

Zur Reaktion von Bitfinex kam es infolge von Berichten von vergangener Woche. In diesen hieß es, der Bankpartner der Börse, die Puerto-Ricanische Noble Bank International, suche einen Käufer und habe sowohl Bitfinex als auch das Partnerunternehmen Tether als Kunden verloren. Bei beiden ist der CEO Jan Ludovicus van der Velde. Zusätzlich zu Nobles scheinbaren Sorgen behaupteten Online-Blogger, dass Bitfinex selbst zahlungsunfähig sei. Dabei wurden unbestätigte Berichte über Schwierigkeiten bei der Verarbeitung von Fiat-Auszahlungen auf der Plattform zitiert.

Bitfinex hat heute erklärt, dass "Bitfinex nicht insolvent ist und eine andauernde Welle von Medium-Artikeln, die etwas anderes behaupten, werden das auch nicht ändern". Die Börse hat die Vorwürfe heftig kritisiert, die Behauptungen nicht mit Fakten untermauert zu haben. Sie hat dabei Links zu drei Konten gepostet, die laut eigener Aussage "einen kleinen Bruchteil der Bitfinex-Kryptowährungsbestände darstellen". Dabei erklärte die Börse auch, dass diese Konten ihre "Fiatbestände nicht berücksichtigen": Bitcoin Cold-Wallet 1, Ethereum Cold-Wallet 1 und EOS Cold-Wallet 1.

Der erste Link zeigt, dass Bitfinex 148.467,26 Bitcoin (BTC) hält - am 9. September 2018 waren es im Vergleich dazu ca. 226.000 BTC. Der Wert lag bei Redaktionsschluss rund 852 Mio. Euro. Der zweite zeigt Ethereum (ETH)-Bestände im Wert von rund 333 Mio. Euro, während das dritte EOS (EOS)-Konto bei Redaktionsschluss etwa 177 Mio. Euro wert ist.

Die Offenlegung von Bitfinex ist angesichts der Kontroverse um Stablecoin Tether (USDT), der durch den US-Dollar gestützt wird, und der Bedenken wegen der mangelnden Transparenz der Dollarreserven bemerkenswert: Das Unternehmen hat im Januar 2018 die Verbindungen zu ihrem Drittprüfer abgebrochen und hat erst im Juni ein inoffizielles Audit vorgelegt. Damit wollte es nachweisen, dass der Coin tatsächlich 1:1 durch Fiat-Bestände gesichert ist.

Bitfinex machte Andeutungen auf vorhergehende Streitigkeiten und schrieb gestern, diese jüngsten Insolvenz-Vorwürfe seien "wieder einmal, vielleicht ein Hinweis auf eine gezielte Kampagne, die nur auf Hirngespinsten basiert". Außerdem sagte die Börse, dass sowohl Fiat- als auch Krypto-Auszahlungen für Euro, Japanischen Yen, Pfund Sterling und US-Dollar "wie gewohnt funktionieren".

Das Unternehmen räumte jedoch ein, dass "im Bereich der Fiat-Transaktionen" für Bitfinex "Komplikationen weiterhin bestehen" würden. Es hieß aber, dass das bei den "meisten" kryptobezogenen Unternehmen der Fall sei.

Als Reaktion auf die Berichte der Noble Bank haben einige im Krypto-Bereich behauptet, dass Bitfinex nun über ein Privatkonto, das unter dem Namen "Global Trading Solutions" registriert sein soll, bei HSBC zum Bankwesen gewechselt sei. Die Börse reagierte in seinem Post gestern nicht auf diese Behauptungen. Sie sagte allerdings, dass alle mit Noble zusammenhängenden Behauptungen "keine Auswirkungen" auf die Geschäftstätigkeit, Überlebensfähigkeit oder Zahlungsfähigkeit von Bitfinex hätten.

Bitfinex ist derzeit auf Platz 12 der größten Börsen weltweit nach täglichem Handelsvolumen und hat in den letzten 24 Stunden bis Redaktionsschluss rund 147,5 Mio. Euro an Handel verbucht.

Wie bereits berichtet, begann Bitfinex schwierige Geschichte in Sachen Bankbeziehungen im April 2017, als das US-Unternehmen Wells Fargo & Co. sich mutmaßlich weigerte, weiterhin Korrespondenzbank zu sein. Bitfinex hat daraufhin eine Klage gegen die Bank eingereicht, die aber schnell fallen gelassen wurde.

Sowohl die Börse als auch Tether erhielten im Dezember letzten Jahres aus nicht offenbarten Gründen Vorladungen von den US-Regulierungsbehörden. Der Kritiker und Krypto-Blogger Bitfinex'd hat wiederholt Bedenken über die Transparenz ihrer Banksysteme geäußert.

Orginalversion

Weitere News