Singapur hält eine Regulierung von Kryptowährungen nicht für nötig

30.10.2017

Singapur hat nicht vor, Kryptowährungen wie den Bitcoin zu regulieren. Bei Bedarf will der Stadtstaat jedoch einzelne unternehmerische Aktivitäten rund um das virtuelle Geld einer gesetzlichen Regelung unterziehen. Das geht aus einem Interview mit dem Chef der Singapurer Zentralbank hervor.

Die wichtigsten Kryptowährungen legten seit Jahresbeginn deutlich zu. Allein die Kapitalisierung des Bitcoins stieg um mehr als das Fünfeinhalbfache auf derzeit über 100 Milliarden US-Dollar. Dadurch sind die digitalen Zahlungsmittel weltweit in den Fokus der Regulierungsbehörden geraten. So haben China und Südkorea die Kapitalaufnahme durch Initial Coin Offerings (ICOs) verboten. Das kommunistische Vietnam verbietet virtuelle Währungen gleich ganz. Etwas weniger weit geht Russland. Präsident Putin fordert per Dekret eine Registrierungspflicht für Miner und die Unterstellung von ICOs unter das Wertpapierrecht.

Aktivitäten, nicht Kryptowährungen regulieren

Singapur mag diesem Trend nicht folgen. Ravi Menon, geschäftsführender Direktor der Singapurer Zentralbank, sagt in einem Interview mit Bloomberg: "Zurzeit sehe ich keinen Grund, weshalb man Kryptowährungen regulieren sollte." Menon ist sich bewusst, dass Kryptogeld oft zu illegalen Zwecken benutzt wird. Doch das Risiko geht seines Erachtens nicht von den digitalen Währungen selbst, sondern von den sie umgebenden Aktivitäten aus. Für den Zentralbanker ist deshalb klar, dass sich die Gesetzgebung mit den Risiken dieser Aktivitäten und nicht mit dem virtuellen Geld als solches auseinanderzusetzen hat.

Bei ICOs mit Dividendenversprechen gilt Wertpapierrecht

Menon weist darauf hin, dass Handelsplattformen und andere Kryptowährungs-Intermediäre bereits heute den in Singapur geltenden Regeln gegen Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung unterstehen. Zudem sei ein neues Gesetz für Zahlungsdienstleister unterwegs, das diese Regeln formalisiere. Anders als der russische Präsident sieht Menon keine Notwendigkeit, ICOs generell dem Wertpapierrecht zu unterstellen. Das Wertpapierrecht komme in Singapur indes heute schon zur Anwendung, wenn im Rahmen eines ICOs dividendenähnliche Vorteile versprochen würden.

Der Zentralbankchef steht mit seiner offenen Haltung gegenüber Bitcoin und Konsorten in Singapur nicht alleine da. Bereits anfangs Oktober verneinte der Vizepremier des Inselstaates in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage die Absicht, Kryptowährungen zu regulieren. (EnP)

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