Was Österreich besser kann als Deutschland

02.11.2018

Trotz aller Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Österreich, weist das Bitcoin-Ökosystem einige Unterschiede auf. Während in Deutschland die Krypto-Adaption vor allem technologiegetrieben ist, entsteht der Eindruck, dass es in Österreich weniger um die Technologie als um die praktische Anwendung von Bitcoin geht.

Wenn Krypto-Nachrichten aus Österreich kommen, dann geht es oftmals um die Akzeptanz von Kryptowährungen oder damit verbundenen Dienstleistungen wie Bitcoin-Automaten oder Wallet-Lösungen. Anders sieht es in Deutschland aus. Hier sind zwar technologisch anspruchsvolle Blockchain-Projekte beheimatet. Was hingegen die Akzeptanz angeht, ist Deutschland eher auf den hinteren Plätzen in Europa anzusiedeln.

Wenn Staatsbetriebe Bitcoin-Dienstleistungen anbieten

Wenn man eine Postfiliale betritt, dann wird sich sicherlich nicht der Eindruck einstellen, dass es sich dabei um ein digitalaffines und innovatives Unternehmen handelt - egal, ob in Deutschland oder Österreich. Dennoch können an jedem Post-Standort in Österreich Bitcoin & Co. erworben werden. In Kooperation mit bitpanda können Post-Kunden Krypto-Gutscheine in verschiedenen Stückelungen erwerben und auf ihre Wallet laden.

Eine ähnlich gelagerte Dienstleistung bietet die vom Image mindestens genauso eingestaubte und biedere Österreichische Staatsdruckerei an. So kooperiert der Dienstleister Coinfinity mit der staatlichen Institution, um Card Wallets herzustellen. Aber auch, wenn es um das direkte Bezahlen mit Kryptowährungen geht, scheint Deutschland Österreich hinterherzuhinken. So akzeptiert der österreichische Energieversorger switch, eine Tochter der EnergieAllianzAustria, Bitcoin als Zahlungsmittel.

Das Besondere an diesen Beispielen ist, dass es sich nicht um hippe Start-ups handelt, sondern um etablierte Institutionen. Solche Beispiele sucht man in Deutschland vergebens. Schade, denn gerade große Unternehmen und Institutionen könnten dafür sorgen, dass Kryptowährungen stärker in die Mitte der Gesellschaft rücken und ihr Schmuddel-Image verlieren. Wenn eine Post oder Staatsdruckerei mit Bitcoin hantiert, verlieren auch konservative und risikoscheue Personen ihre Vorbehalte gegenüber Kryptowährungen.

Hemmschuh Regulierung

Der Grund für die geringere Bitcoin-Akzeptanz in Deutschland ist sicherlich nicht nur der Mentalität geschuldet. Viele Unternehmen und Interessenvertreter arbeiten in Deutschland intensiv an Krypto-Dienstleistungen und einer höheren Akzeptanz von Kryptowährungen. Als ein entscheidender Hemmschuh ist hier die Regulierung auszumachen, die eine Adaption vergleichsweise schwerer macht als im Nachbarland Österreich. So ist es nach wie vor kaum möglich, einen Bitcoin-Automaten aufzustellen. Während in Österreich bereits viele Bitcoin-Automaten stehen, gleicht die Aufstellung in Deutschland einer regulatorischen Herkulesaufgabe. Nach wie vor schafft es die BaFin nicht, klare Aussagen zu treffen oder krypto-freundliche Rahmenbedingungen zu etablieren. Anders in Österreich, wo die Finanzmarktaufsicht eine tendenziell weniger restriktive Haltung gegenüber der Krypto-Ökonomie einnimmt.

Bitcoin-Adaption: Ein Schritt vor dem anderen

Die dargestellten österreichischen Use Cases mögen zwar aus technischer Sicht nicht sonderlich anspruchsvoll sein, dennoch sorgen sie dafür, dass die Blockchain-Technologie nicht nur in der digitalaffinen Start-up-Szene ein Thema ist. Durch den ursprünglichsten Blockchain Use Case wird die Technologie nun auch in breite Teile der Gesellschaft getragen. Schließlich ist das Bezahlen und Handeln mit Kryptowährungen die nach wie vor beste Möglichkeit, um Blockchain erlebbar zu machen und Menschen für die Krypto-Ökonomie zu begeistern.


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