Weshalb Der Chef von Deutschlands digitalster Bank keine Bitcoins besitzt

28.08.2017

Als erste Bank in Deutschland ermöglichte Fidor den Handel mit Kryptowährungen. Trotzdem besitzt Vorstandschef Matthias Kröner selbst keine Bitcoins. Der Grund? Nicht nur eine Fehleinschätzung.

Als noch niemand über Fintechs sprach, brachte Matthias Kröner den Deutschen schon den Aktienkauf über das Internet bei. Mitte der 90er Jahre gründete er mit der DAB Bank eine der ersten Online-Direktbanken in Deutschland. Die Wertpapieraufträge wurden einfach per Fax angenommen und deutlich billiger ausgeführt, als es einer Bankfiliale je möglich gewesen wäre. Damals eine Revolution: In der Folge sanken die Gebühren für Börsengeschäfte drastisch.

Fidor Bank setzte früh auf Bitcoins

Trotzdem verließ Matthias Kröner die DAB Bank nach einem Zerwürfnis mit den Anteilseignern bereits 2003. Anstatt sich jedoch bei anderen Großbanken um einen neuen Job zu bewerben, gründete er einfach noch einmal: Den Vorläufer der Fidor Bank. Sie gilt heute als eine der vielleicht innovativsten Finanzinstitute, was auch daran liegen könnte, dass Kröner neben einem offenen Community-Ansatz vor allem früh auf den Handel mit Kryptowährungen setzte. Seit 2014 ermöglicht die Fidor Bank in Zusammenarbeit mit Bitcoin.de die schnelle Abwicklung von Geschäften.

Umso kurioser ist, dass Kröner selbst keine Bitcoins besitzt. Dies verriet der 51-Jährige im Interview in der neuen Ausgabe des t3n Magazins. Kröner spricht von einer klassischen Fehleinschätzung. "Neulich kam auf einer Veranstaltung eine ehemalige Mitarbeiterin zu mir und meinte: 'Herr Kröner, wissen Sie eigentlich noch, wie Sie mir vor drei Jahren geraten haben, die Bitcoins beim Kurs von 120 Euro zu verkaufen? Weil eine Blase droht?' Asche auf mein Haupt", sagt Kröner rückblickend.

"Kryptowährungen kein gutes Investitionspflaster"

Angesprochen auf den zuletzt wieder deutlich gestiegenen Bitcoin-Kurs gibt sich der Banker dennoch weiter skeptisch. Wegen der extremen Kursschwankungen seien Kryptowährungen noch immer "kein gutes Investitionspflaster" - vor allem für Ottonormalbürger. "Man muss sich jeden Tag damit beschäftigen und die virtuelle Geldbörse im Blick haben. Sonst verpasst man den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg", sagt Kröner. Die Zeit habe er dafür leider nicht.

An eine Zukunft der Kryptowährungen glaubt Kröner trotzdem. So hätten sich nicht nur die Börsen in China und Japan für Bitcoins als Zahlungsmittel geöffnet. Beispielsweise spreche auch die enorme Zahl an Kryptowährungen - weltweit sind es circa 800 - für den Bedarf nach einer Möglichkeit, anonym und sicher über das Internet zu bezahlen. "Aus meinem ureigenen Demokratieverständnis heraus halte ich eine Währung, die nicht manipulativ ist, für sinnvoll", so Kröner.

quelle t3n