Wird Russland zur mining großmacht?

11.08.2017

Einem Bericht von Bloomberg zufolge will eine Firma, die dem Internetberater von Russlands Präsident Wladimir Putin himself gehört, ins Crypto-Mining investieren. Dank Mikrochips, die in russischen Satelliten genutzt werden, einer ICO und der geringen Energiepreis des Landes sieht die Firma das Potenzial, in Russland 30 Prozent der globalen Hashrate zu erzeugen.

Es gibt Meldungen, bei denen man nie genau weiß, ob es nicht ein genialer Aprilscherz ist. Die von Bloomberg veröffentlichte Meldung über die russischen Mining-Ambitionen ist eine davon. Es steckt einfach so viel drin, dass man die Nachricht auch für eine brillante Parodie des gegenwärtigen Cryptowährungs-Zirkus halten könnte.

Aber von vorne: Dimitrij Marinichew, Internetberater von Russlands Präsident Wladimir Putin, hat in einer Pressekonferenz die ICO von RMC ("Russian Mining Company") angekündigt. Die Token von RMC können mit Bitcoin oder Ethereum gekauft werden, an ihre Besitzer werden 18 Prozent der Mining-Erlöse von RMC verteilt. Die ICO soll 100 Millionen Dollar in die Kasse der Firma spülen, mit denen die Entwicklung von Mining-Chips finanziert werden soll. Verwendet werden sollen dafür die Mining-Chips von BitFury sowie besonders sparsame Mikrochips, die für russische Satelliten entwickelt wurden.

Marinichew erklärte, dass Russland das Potential habe, 30 Prozent der globalen Mining-Hashrate zu stellen. Eine Präsentation von RMC weist darauf hin, dass Russland rund 20 Gigawatt überschüssige Energie erzeugt. Zugleich hat Russland weltweit mit die günstigsten Strompreise. Mit 1,3 cent je Kilowattstunde ist Strom in Russland deutlich billiger als in der Mining-Supermacht China. Dass dies von den Russen schon längst massiv fürs Kryptomining genutzt wird, zeigt unter anderem die das Angebot weit übersteigende Nachfrage nach Grafikkarten in Russland. RMC möchte diesen Standortvorteil weiter ausschlachten, indem die noch zu entwickelnde Mining-Hardware landesweit in privaten Haushalten aufgestellt wird.

Wenn die Meldung wahr ist - und es sieht aus, als sei sie es - dann kann mit RMC ein neuer mächtiger Akteur im Krypto-Mining entstehen. Die Voraussetzungen scheinen mit den extrem günstigen Energiepreisen und der Unterstützung durch die Regierung ideal zu sein. Die Meldung zeigt, dass Bitcoin Mining mittlerweile zum Teil bereits ein Staatsgeschäft geworden ist. Gerüchten zufolge wird das Mining in China durch die Kommunistische Partei unterstützt, und es ist ein halbwegs offenes Geheimnis, dass BitFury exzellente Verbindungen zur US- und anderen Nato-Regierungen hat und auch mit diesen zusammenarbeitet. Daneben plant John McAffee, extravaganter Software-Millionär und libertärer Politiker in den USA, das größte Mining-Center der Welt in Nordamerika aufzubauen. Ohnehin werden die USA und Kanada zu immer beliebteren Standorten für Bitcoin-Mining-Anlagen, da die Kosten gering, aber der Service gut ist.

Mit RMC mischt nun wohl auch Russland im Wettstreit um die Hoheit über das Geld der Zukunft mit. Man fragt sich an dieser Stelle, wo die EU bleibt ...

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